Dienstag, 31. Januar 2017

Rezension zu "Die Tage, die ich dir verspreche" von Lily Oliver

"Organspender sind Glücksbringer unter unglücklichen Umständen", dieses Zitat Manfred Hinrichs beschreibt den inneren Konflikt der Protagonistin des Werkes "Die Tage, die ich dir verspreche" von Lily Oliver einwandfrei. 

Gwen, gerade erst stolze Besitzerin eines neuen Herzes, hat da nämlich so ihre Probleme damit, nun mit ihrem neuen Herzchen glücklich zu werden. Sie fühlt sich schuldig am Tod des Spenders - ein Aspekt der Organspende, der in unserer Gesellschaft viel zu wenig bedacht wird. Die neue Besitzerin, die in meiner Vorstellung mittellange, rote Haare hat, plagt sich ständig mit Albträumen rum, in denen sie mögliche Spender"opfer" oder ihre Angehörigen erblickt. Das setzt ihr letztendlich so enorm zu, dass sie sich letztendlich zum Selbstmord entscheidet, wobei ihr Herz einen neuen Besitzer finden soll. Diesen findet sie scheinbar in Noah - mehr oder weniger typischer BWL-Student in München, Admin des Herzforums. Er ist nun nicht soo begeistert von Gwens Idee und will sie im Laufe des Geschehens davon abbringen. 

Lily Oliver kann ich ein Talent ohne wenn und aber zusprechen: sie beschreibt die kompliziertesten Situationen, in die hoffentlich die wenigsten Menschen kommen, so klar und genau, dass man beim Lesen ins reinste Gefühlschaos gerät. Egal, in welcher Lage sich einer unserer Protagonisten gerade empfindet: ist er wütend, hätte ich gerne genauso Vasen gegen die Wand geschmettert! Versank Gwen wieder in ihren düsteren Gedanken, kam auch ich in dieser Nacht nicht mehr aus dem Grübeln heraus. 

Die Gestaltung ist ziemlich interessant und beinhaltet außergewöhnliche, individuelle Elemente. Zu Beginn jedes neuen Kapitels bekommt der Leser - Ich! - die Möglichkeit, einen Post aus einem der beiden Herzforen zu lesen, als Appetithäppchen auf's Kapitel sozusagen. Das Cover passt im offensichtlichen Sinne nicht unbedingt zur Geschichte, jedoch scheint es sich um interpretationsmäßigen Spielraum: vielleicht sollen die Mohnblüten für Spenderherzen stehen, der grüne Stängel für das Leben, dass ihnen durch die neuen Träger eingehaucht wird? Ohne die Träger können sie nicht leben, sie würden eingehen. Auf die Art ist es ziemlich tiefgründig... 

...sei es, wie es ist, ich kann nur jedem, der ein bisschen Interesse für das Thema "Organspende" aufbringen kann, empfehlen, dieses Werk Olivers zu lesen. 

Rezension zu "Der König von Berlin" von Horst Evers

Der literarische König von Berlin, Horst Evers, hat mit "Der König von Berlin" einen seltsam unterhaltsamen Kriminalroman, triefend vor Satire, geschrieben. Es war das erste Buch von Evers, welches ich las, zuvor kannte ich bloß die Kurzgeschichten, die ich jedoch allesamt brilliant fand und sie regelrecht verschlungen habe. 

Das Cover ist im typischen Evers-Stil, so nenne ich es jetzt mal, gehalten und hat auch tatsächlich etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun! Leider erlebt man ja viel zu oft, dass einem das Cover von wundervollen Szenen erzählen soll, während sich die Geschichte um perverse Serienmörder dreht. 
Der Roman ist aus der Sicht eines unsichtbaren Dritten erzählt und dieser agile Dritte hüpft von Kapitel zu Kapitel zwischen den Personen hin und her. Das ist aber nicht schlimm, denn man hat immer genügend Zeit, um dann nicht vor dem Buch zu sitzen, mit dem Gedanken, einen Drohbrief an den Autor zu schicken, wenn er nicht bald mit diesen elenden Gedankensprüngen aufhört. 

Der Hauptprotagonist tat mir zwischenzeitlich schon ganz schön leid. Es handelt sich um Hauptkommissar Lanner, das olle Landei. Der wurde von irgendeinem Kaff nach Berlin versetzt, jedoch von keinem ernst genommen. Dann plötzlich flattern ihm auf einmal drei Fälle auf den Schreibtisch - ein mysteriöser Mord, die Berliner Rattenplage und weil sich Lanner noch etwas zusätzlichen Ruhm aneignen will, möchte er in einem Zug noch den "Unfall" am alten Macchallik aufklären. 

Spannung, Spiel, Satire und Kaffeevollautomaten werden euch durch diese abenteuerliche Geschichte begleiten, es lohnt sich definitiv, das Buch mal genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Rezension zu "Kein Sommer ohne Liebe" von Mary Kay Andrews

Irgendwie soll man ja doch immer mit den guten Dingen beginnen, aber leider ist der erste Gedanke, der mir zu "Kein Sommer ohne Liebe" durch den Kopf geht, folgender: "Ja, wieso erinnert mich das denn so stark an 'Nur einen Horizont entfernt'? Es ist doch immerhin eine andere Autorin!" - aber dazu später mehr. 

"Kein Sommer ohne Liebe" erzählt uns die Lebens- und Leidens- UND Liebesgeschichte des Locationscouts Greer. Greer durchlebt gerade eine ziemliche Flaute im Leben: Mutti tot, Omi verzockt ihr Taschengeld bei einer App, nach ihrem egoistischem Ex gab es liebesmäßig nun auch keinen Supergau mehr und sollte sie ihren nächsten Job verhunzen, sollte sie sich so langsam mal mit den Formularen zur Beantragung staatlicher Leistungen auseinandersetzen. Genau um diesen Job geht es! Greer soll sich mit ein paar Arschlöchern aus der Filmbranche auseinandersetzen und eine passende Umgebung für den nächsten Film finden. Nach einer schweißtreibenden, tagelangen Suche entlang der Küste stößt sie mehr per Zufall auf einen beinahe magischen Ort namens Cypress Key. Während sie voller Inbrunst davon überzeugt ist, dass der Film das BESTE ist, was der Stadt je hätte passieren können, sehen die Bewohner es eher mit der Flinte in der Hand und auf der Türschwelle stehend. Aber, wie heißt es so schön? Gegensätze ziehen sich an! 

Ich kenne kein anderes Werk von Mary K. Andrews, jedoch würde ich darauf schließen, dass alle anderen genauso kitschig sind. Amerikanische Klischeeromane setzen sich wie folgt zusammen: 1/3 gebührt der Romantik, 1/3 der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verschiedener Protagonisten (so, dass man auf alle Fälle Mitleid zum Charakter aufbaut - man soll ihn aber nicht als Psychopathen ansehen, weil er mit vier aus Versehen das Haus bei einer Familienfeier abgefackelt hat und er der einzig überlebende Müller/Meier/Schulze ist) und die restlichen 33,33 Prozent befassen sich dann noch mit der Rahmenstory. Diese ist als einzige variabel. 

Anhand des Titels würde ich mir das Buch in einer Buchhandlung sicherlich nicht kaufen, so viel steht fest. Er klingt, als sei unsere liebe Protagonistin DIE selbstbewusste Aufreißerin schlechthin... und ihr letzter Mann war jedoch der egozentrische Anwalt, der sie mit seiner Therapeutin betrogen hat....und sie lässt sich natürlich bis heute Schuldgefühle einreden. Ja. Erfolg auf ganzer Linie, wie ihr seht. Manchmal sind die deutschen Titel eben doch zum Scheitern verurteilt. 

Bei der Gestaltung hat man allerdings nichts in den Sand gesetzt, muss ich sagen! Im ganzen Buch verteilt findet man kleine Palmen und Strandstühle, mein Klischee liebender Teil hat sofort gequiekt: "OHH MEIN GOTT! SOOOOO SÜß!!!". Auch das Cover wirkt authentisch, nur gibt er nicht uuuunbedingt die Handlung wider. Aber wozu auch? 

Irgendwie lohnt es sich einfach nicht so ganz, diese Rezension hier auszuschmücken. Dieses Buch wird für mich kein Ratgeber fürs Leben, es zu lesen war ganz nett - ich konnte nebenbei entspannt in der Sonne liegen (also hier die Entwarnung: es ist nicht zu komplex) und an der Bräunung meiner Vampirhaut arbeiten. Vielleicht bin ich nebenbei mal weggedöst. Aber nur vielleicht. 

Für jede Powerfrau da draußen also ein Muss, am besten kauft ihr euch direkt dazu eine Vitrine, in der ihr das Buch deponieren könnt, um es euren Klatschtanten beim nächsten Kaffee vorzuführen. Auf alle Fälle wird das Buch genug Gesprächsstoff bieten - jeder Stereotyp dieser Gesellschaft hat da seinen Auftritt!

Rezension zu "Das Beste, was wir tun können, ist Nichts" von Björn Kern

Und trotzdem fange ich mit den positiven Aspekten an! 
"Das Beste, was wir tun können, ist nichts", geschrieben von einem Autor, der so sehr ins Leben der Modernen Gesellschaft eingespannt war, dass er die eigentliche Schönheit unseres Daseins ganz aus den Augen verlor und sie folglich jeder einzelnen Person in seiner Umgebung irgendwie auf die Nase binden wollte. 

Viel zu sagen gibt es nicht, denn umso mehr ich hier schreibe, desto weniger Zeit habe ich letztlich, um nichts zu tun ;-) 

An sich herrscht anfangs ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den kurzen Kapiteln; es scheint, als wolle uns Herr Kern kleine Weisheiten zwischen den Zeilen mit auf den Weg geben, um nicht irgendwann wie er zu enden. Also vor seiner unglaublichen Transformation zum allwissenden Nichtstuer. Mit Witz wird man durch die Seiten geführt, nach den ersten Geschichten fand ich das Buch schon wirklich toll und unterhaltsam - und ich dachte mir: "Mensch, DER hat es verstanden!" 

Leider währte diese Meinung nicht allzu lange an, denn auch, wenn seine Kernaussagen überwiegend wahr sind, so werden sie nicht "wahrer", wenn sie noch in drölf anderen Erzählungen auftauchen. Ein weiteres Kontra ist in meinen Augen die sture Subjektivität. Mag ja sein, dass diese Person eine bestimmte gesellschaftliche Norm nicht "versteht" oder akzeptieren will - trotzdem kann man sie tolerieren. 

Irgendwie erschien mir das komplette Buch zum Schluss hin nur noch wie eine Zusammenfassung mehrerer Ausgaben diverser Minimalismus-Lifestyle-Zeitschriften.Wenn ihr mal per Zufall über dieses Buch stolpert, so könnt ihr ruhigen Gewissens einen Blick hinein werfen, genauso gut aber auch mal alle Fünfe grade sein lassen, wie es so schön heißt. 

Rezension zu "Meditation" von Ulrich Hoffmann

...und das selbst auf dem Weg zur Arbeit! "Meditation" von Ulrich Hoffmann ist nicht nur für Anfänger geeignet - auch Menschen, die nur auf der Suche nach neuen Übungen zum Finden des inneren Gleichgewichts sind, werden in diesem Buch fündig. 

Gestalterisch macht dieses Buch auch echt was her! Nicht zu klein, nicht zu groß, passend illustriert und um seine eigenen Erlebnisse festzuhalten - klappte die Übung gut? Wie hast du dich dabei gefühlt? - kann man die dazu gegebenen Flächen nutzen. 
Zwar habe ich nicht alle Übungen dieses Werkes getestet, aber fest steht, dass sie tatsächlich helfen zu entspannen. Für jede Situation ist eine Übung dabei: ob auf dem Weg zur Arbeit, am morgigen Frühstückstisch oder einfach im Büro, ich habe mir Meditation wirklich nicht so wandelbar und vielfältig vorgestellt. 

Um auch wirklich sein inneres "Ich" zu finden, kann man einen im Buch zu findenden "Trainingsplan" ausfüllen, das hilft nicht nur der Regelmäßigkeit, sondern man verliert auch nicht den Überblick. Quasi kann man es als seine kleine - oder große, je nach Übung - tägliche Pause betrachten. 
Viele Übungen sind ziemlich tiefgreifend, regen einen zum Denken an. Man bekommt dabei ein ganz besonderes Gefühl, wenn man eine solche Übung erfolgreich verändert hat. 

Somit kann ich eigentlich nur jedem, der es schon immer mal ausprobieren wollte, ans Herz legen, mal einen Blick in dieses Buch zu werfen. Und wenn ihr Meditation für Unfug haltet - so, wie ich es vor diesem Buch tat - so werdet ihr eure Meinung sicherlich danach ändern. 

Rezension zu "Ausradiert" von Martin S. Burkhardt

Wahrscheinlich sollte man eine Rezension, die sich um so ein komplexes Thema dreht, nicht mit einem Imbisswagen beginnen. Aber der Betreiber dieses Wagens muss schon ein ganz schönes Zentrum sein, nachdem sich die Protagonisten nach ihren heldenhaften Taten bei ihm stärken. So viel wollte ich bloß mal gesagt haben – hoffentlich werde ich nie an ihm vorbeikommen. 

In „Ausradiert“ werden Menschen wie du und ich plötzlich von all ihren Freunden, Verwandten und Kollegen vergessen; sie erinnern sich einfach nicht mehr an dich! Und es könnte dich jederzeit treffen. Nicht nur, dass dich jeder für verrückt halten würde, sobald du ihm deine Geschichte erzählst, nein! Die mordlustigen Schattenwesen, welche ziemlich streng riechen, und deren regelmäßige Besuche sind inklusive.

Moritz ist einer dieser Vergessenen. Keiner scheint ihn zu verstehen oder helfen zu wollen, bis auf seinen neuen Nachbarn. Zusammen mit Gleichgesinnten versucht Moritz letztendlich, sein altes Leben zurückzuerlangen – doch das ist mit allerhand Komplikationen verbunden. 


In kein literarisches Genre kann ich dieses Buch einbetten, man bekommt einfach von allem etwas. So kann eigentlich niemand sagen, dass das Buch nichts für ihn wäre. In Worte gefasste Splatter-Elemente, ein bisschen Fantasy, irgendwie auch Tragik, dies alles untermalt mit den Farben eines Romans und last but not least erhält der Leser auch noch die Quintessenz einer prickelnden Romanze! Wer gerne rätselt, kommt hier auch voll auf seine Kosten; im Laufe der Zeit habe ich unzählige Theorien aufgestellt, wie sich diese Unlogik zu etwas halbwegs logischem biegen ließe. (Leider ohne Erfolg, auf dieses Ende wäre ich nie gekommen.) 


Und noch nicht genug damit, dass es so ein umfangreiches Buch ist, welches jedes Thema einmal aufgreift – Martin S. Burkhardt schafft es mal wieder, den Leser zum Nachdenken zu animieren. Zum intensiven Sinnieren, sofern man sich auf diese Gedankenreise einlassen will. Letztendlich ist es wieder eine Geschichte, die so unglaublich und fiktiv scheint, aber doch der Wahrheit entsprechen könnte. Denn keiner von uns kann das Gegenteil beweisen, besonders diese Gedankenspiele faszinieren mich an seinen Geschichten. 


Auch muss man – zum Glück! – keine Angst vor charakterlosen Protagonisten haben, die einem während des Lesens schon mal zum genervten Aufstöhnen bringen können. Unser lieber, netter Moritz wird uns genügend vorgestellt und eigentlich kann man gar nicht anders, als ihn zu mögen. Wir erfahren viele nebensächliche Dinge, die mich immer ziemlich freuen. So mag ich es zum Beispiel zu wissen, wie die Wohnung einer Person eingerichtet ist. Wie er sein Bier am liebsten trinkt. Oder auch, wie das Duschbad seiner Ex roch. Es fällt einem einfach leichter, sich in die Situationen hineinzuversetzen und mitzuerleben. 


Ich kann euch, werte Leser dieser Rezension, nur ans Herz legen, dieses Buch zur Hand zu nehmen. Bereuen werdet ihr es jedenfalls nicht, so viel steht fest! 

Rezension zu "Rentierköttel" von Lars Simon

Der dritte Teil einer Tierkottriologie, in der es sich leider nicht hauptsächlich um Kot dreht. Wäre ja auch zu einfach und durchschaubar gewesen. 
Ich startete direkt mit dem dritten Teil, was an sich auch nicht problematisch ist, denn ich finde mich schnell in eine Geschichte ein. Bloß hatte ich dieses mal das Problem, dass ich die Geschichte an sich zwar echt gut fand, der Hauptcharakter aber irgendwie so 0 Charakter hatte, ne. Sein bester, kulturell interessierter Freund Rainer - jawoll, der hätte schon viel mehr das Zeug zum Protagonisten als der gute Torsten. Aber nun möchte ich auch nicht alles schwarzmalen, denn ich kenne die Vorgänger nicht. 

Erstmal zur Geschichte! Torsten. Schwer verliebt. Eine Lusche von einem Mann. Kommt aus Deutschland. Kauft sich eine Bruchbude, um seiner Liebe zu imponieren. Besagte Liebe ist ahnungslos. Torstens soziales Umfeld ist schräg. Echt crazy. BFFALN - best friends forever and longer, ne! - ist der Rainer. Rainer verliebt sich in eine Feministin. Rainer und Torsten wollen Torstens Liebe suchen. Die ist irgendwie verschollen. Rainer will 'nen Kulturkurs machen. Der Kulturkurs ist belegt von durchgeknallten Idioten, die sie letztendlich im Camp festhalten. Ach ja, dann gibt es da natürlich noch die formschönen Rentierköttelchen. 

Alles in Allem ist es echt ein verrückter Roman. Es passieren die durchgedrehtesten Sachen und trotzdem ließen sich die ersten 2/3 echt nur sehr langsam lesen.